Texte

2011

 
 

STEIN UND HORIZONT

Der Grundstein für die Inspiration findet Markus Gilomen in der Natur, in der er schon als Kind sehr viel Zeit verbrachte, um Neues, wie Formen und Farben zu entdecken. Er hielt sich oft in Wald und Wiesen auf, wanderte über frisch gepflügte Äcker und betrachtete an Bächen oder Seen die Steine.

Steine, die noch heute eine magische Faszination auf ihn haben und die sich in den Arbeiten Gilomens wiederspiegelt. Er fotografiert um diese Eindrücke später Zuhause und im Atelier zu studieren und verschiedene Skizzen anzufertigen. In diesem Prozess wird der Gesamteindruck reduziert, danach werden diese Entwürfe in Ölbilder übersetzt.

Ihm geht es in erster Linie darum, das Gefühl des reinen Körperempfindens darzustellen und dieses dem Betrachter zu vermitteln. Ausser der Kontrastwirkung, hat die Farbe ansich keine bestimmte Funktion, da der Schwerpunkt der Bildgestaltung Gilomens in den Formen und den Strukturen liegt. Sein aktuelles Thema (Stein) entwickelte sich aus dem Thema (Korn) wo er in den Jahren 1999-2002 daran arbeitete. In dem der Künstler anfangs eine Weizenähre auf die Leinwand malte, um den Kreislauf der Natur als Beispiel darzustellen - es wächst, Samt, verwelkt, zerfällt und wird zur nährenden Erde, so das es die selbst erschaffenen Samen von neuem spriessen lassen kann.

In seinen Überlegungen fokussiert sich Gilomen auf das Wesentliche der Ähre und die Vermischung von Hinter- und Vordergrund. Die Ähre wird nichtmehr als Ähre gemalt, sondern als reine Farbfläche.

Später versetzte Markus Gilomen die Strukturen und Formen der Ähre in den Hintergrund und lässt die Hintergründigen Körper als Vordergrund erscheinen. Einige Zeit später sucht er einen erneuten Weg zum Realismus in seinem Thema, diesmal aber in einer andern Art, so malte er die umliegenden Figuren als reelle Formen mit Schattierungen, so dass sie eine Räumliche Bedeutung erhalten.

Der nächste Schritt war es, dass er nach vielen Skizzen und Betrachtungen entdeckte, dass es in diesen Arbeiten nicht wichtig erscheint, wie viele Figuren im Bild stehen, Gilomen lies einfach einige der Figuren aus und die Wirkung wurde freier. Nach einigen Selbststudien und Beobachtungen viel Markus Gilomen auf, das es pro Bild nur ein Körper benötigt. So entstand das Thema (Stein) wo die ersten Skizzen 1997 endstanden, das er aber erst im 2001/02 wieder aufnahm und später nur noch mit o.T. (ohne Titel) bezeichnet ist.

Mit speziell angeordneten Pinselstrichen bekommen dies Stein oder Horizontbilder eine neue Spannung.

Die Grenzen zwischen Körper und Hintergrund oder wie es Markus Gilomen sagt, die Grenzen zwischen Körpern finden wir überall. Das Ziel, diese Momente malerisch wider zu geben bedingt eine emphatische und diskrete Ausdrucksweise.

In seiner Malerei widmet er die ganze Aufmerksamkeit den Steinen, studiert deren Beschaffenheit und setzt deren Charakter Bildnerisch auf die Leinwand um. Seine Steinbilder sind eine abstrakte Wiedergabe des natürlichen Erscheinens. Die sorgfältige Zusammenstellung der verschiedenen Steinkörper bilden einen zufälligen Eindruck und wirken doch als ganzes wie ein Stilleben.

Gilomen arbeitet öfters in der freien Natur um zu beobachten und mit Fotos die Eindrücke festzuhalten, von denen er die wirkungsvollsten erst in Skizzen umsetzt. Ihm geht es nach wie vor darum, mit dem groben Rhythmus des Pinselstriches, das natürlich – ungeschliffene und lebhafte zum Vorschein zu bringen und das charakteristische der Steine auszudrücken. Der Stein, ein natürliches und reines Bildnis, das vom Ursprung her das alltägliche zeugt und prägt. Jedoch gestaltet der moderne Mensch seine komfortable Umwelt grösstenteils mit Beton, Teer und anderen künstlichen Materialien. Diese Erschaffungen leiten zu einem eintönigen, beinahe naturlosen Alltagsgefühl.

Seine Arbeiten stellen nur dies dar, was sie sind, einfach Steine auf einer Wiese/Schnee/Sand (mehr braucht es dazu nicht, und ist auch nicht nötig) sagt Gilomen.

Die Grenze und die Spannung eines Horizontes, die ihn nebst den Steinen ab den Jahren 2004/05 zu interessieren beginnen, in der Natur wahrzunehmen und auf gezielt reduzierte Weise wiederzugeben, ist eine sehr interessante Entdeckung in Gilomens Studien. Diese Schwingung die zwischen den Elementen wirkt, ist eine Faszination, die Gilomen schon seit einiger Zeit in Selbststudien zum Ausdruck bringt. Bei den Horizontbilder, in denen es in erster Linie darum geht, die Distanz und Weite auf der bemalten Bildfläche war zu nehmen, die Reduktion der natürlichen Landschaften lässt dem Betrachter mehr Raum, um sich selbst ein klares Bild der Landschaften und Horizonte zu machen und lässt die Möglichkeit offen, einzelne Details zu erahnen.

Der Himmel ist in seinen Darstellungen kräftig Blau, in der Applikation sehr dünnschichtig, wolkenlos und abstrakt. Durch die natürliche und raue Schraffur der Hügelformen wirkt der Himmel leicht und gegenstandslos.

Das Thema (Stein) ist unerschöpflich und erweitert sich in den Jahren 2008/09 Gilomen versucht nun den Stein in der Landschaft auf das Minimum zu abstrahieren. Er malt den Himmel und die Wiese wie gewohnt, aber die Steine werden durch orange Punkte ersetzt, so dass bei der Malerei lediglich die Streuung der Körper wesentlich bedeutend erscheint.

Ab 2010 beginnt erneut die Biege im Wandel zum Realismus, jetzt aber wird der Hintergrund (Landschaft) zum organischen Körper und dort wo die Steine im Bild lagen, sind nun Löcher, dargestellt mit ausgesparten Leinwandflecken, die mit Graphit leicht schattiert wurden. Durch die Farbgebung mit Fleisch-Oker und Hell-Oker erscheint die Landschaft wie ein organisches Hautgewebe mit hell-schattierten Löchern, jedoch schwebt über dieser Körperlandschaft immer noch der blaue Himmel.

Bei seinen Neusten Arbeiten ist die Landschaft als solches im grossen Wandel, neue Elemente endstehen. Aber die Themen (Stein-Grenze-Horizont) bestehen immer weiter, jedoch in komplett neuer Form.